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Fiat Money - Es werde Geld!

(06.05.2011) "Die Elite steuert auf den Crash zu, weil sie die Diskussion um Alternativen nicht zulässt." - So Franz Hörmann und Otmar Pregetter, die Autoren von "Das Ende des Geldes".

Ein neues Interview im heutigen WirtschaftsBlatt.

Ihr Buch prophezeit den Zusammenbruch des US-Dollar und des Euro. Geld gibt es nach dem kommenden Crash nicht mehr. Meinen Sie das ernst?

FRANZ HÖRMANN: Ja. Ein vollkommener Zusammenbruch aller Währungen - der Dollar reißt den Euro mit - wird ziemlich sicher noch in diesem Jahr passieren. In den USA kommt es zu einer Hyperinflation und der Dollar wird abgelöst. Dann können wir im bisherigen Währungssystem nicht mehr weiterleben. Es folgt der Crash - und ich hoffe, es ist ein totaler Crash. Denn nur so kann der Öffentlichkeit nicht mehr verschleiert werden, dass dieses System nicht mehr funktioniert.

Welche Indizien gibt es für Ihre Theorien?

HÖRMANN: Die Probleme des Euro-Raums sind bekannt. Trotzdem ist der Euro auf einem All Time High. Das geht an die Grenzen des Vernünftigen, denn ein Vergleich von Dollar und Euro ist überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Und trotzdem sehen viele kein Problem.

Was genau funktioniert für Sie im System nicht?

HÖRMANN: Stellen Sie sich vor, eine reiche Person möchte Ihnen so viel Geld schenken, dass Sie nie wieder arbeiten müssen. Sie müssen der Person allerdings einen Betrag nennen. Ich würde dieser reichen Person sagen: Ich brauche nur einen Euro. Und zwar einen Euro mehr auf meinem Konto, als ich im Moment jeweils ausgeben will. Alles andere ist systemische Gier, die die Krise mitverursacht hat: Wir entscheiden unter Informationsmangel und treffen daher falsche Entscheidungen. Denn wir gehen vom schlechtesten Fall aus und nehmen immer den größten Betrag. Aber Fakt ist: Wir haben keine Information aus der Zukunft, wie viel Geld wir wann wirklich brauchen werden. Wir müssen es aber im Zeitpunkt der Entscheidung wissen, was wir aber nicht können. Das ist in sämtlichen Barwertmodellen implizit eingebaut. Es werden falsche Methoden verwendet.

Behaupten Sie, das System wird durch Formalismen oberflächlich gehalten und im Kern bestehen die Probleme weiter oder werden neu erzeugt?

HÖRMANN: Durch die Krise hat sich nichts geändert. Diejenigen, die die Deregulierung beschlossen haben, beschließen nun die Rettung der Banken. Durch formale Tricks buchen Banken toxische Papiere vom Umlauf- ins Anlagevermögen und haben somit keinerlei Kreditrisiken. Die Banken verdienen derzeit nur deswegen gut, weil 80 Prozent der Gewinne aus der Auflösung der Kreditvorsorgen kommen. Wo ist da der echte wirtschaftliche Gewinn? Wären diese Bilanztricks nicht möglich, dann wären alle Banken bankrott. In einem Ausmaß, wie sie auch durch die öffentliche Hand nicht mehr zu retten wären.

Welche substanziellen Änderungen braucht es?

HÖRMANN: Geld darf nur für eine realwirtschaftliche Leistung entstehen. Dann ist damit sichergestellt, dass es nie zu viel Geld geben kann. Das Gleichgewicht zwischen Finanz- und Realwirtschaft wäre dann wieder intakt. Und es braucht ein Umdenken: In der Buchhaltung werden Mitarbeiter über die Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand verrechnet, und dieser Aufwand minimiert den Gewinn des Unternehmers. Solche Gesetze hinterfragt aber niemand. Will die Menschheit überleben, muss sie solche Dummheiten überwinden.

OTMAR PREGETTER: Erfindungen hängen nicht an großem Sachanlagevermögen oder guten Kennzahlen. Die Innovationen hängen an den Köpfen der Arbeitnehmer. Also ich habe noch keinen CEO gesehen, der seine Patente anmeldet.

Die Regeln würden doch nicht gelten, hätten sie sich nicht bewährt...

PREGETTER: Die Wirtschaftswissenschaften haben sich von echtem empirischen Wissen verabschiedet und sind nichts anderes als eine Religion. Es wird vorgegaukelt, dass dem so sei. Die Gedankenmodelle wären endlich an der Realität zu prüfen, und das findet in der Wirtschaftswissenschaft seit dreißig Jahren nicht mehr statt, weil es nur mehr eine Richtung gibt.

HÖRMANN: Ein einfaches Beispiel: Angeblich funktionieren Märkte so, dass sich Angebot und Nachfrage über den Preis ausgleichen. Wenn dem wirklich so wäre, dann müssten Arbeiter 6000€ pro Monat oder mehr verdienen, denn wenn es einen Facharbeitermangel gibt, dann müsste der Preis für die Arbeiter steigen. Ein knappes Gut kostet eben. Dem ist aber nicht so. Das hat aus wissenschaftlicher Sicht keine Substanz.

Sie schreiben in Ihrem Buch "Insidern ist längst bewusst, dass das System dem Untergang geweiht ist". Warum verhindern diese den Zusammenbruch nicht?

PREGETTER: Weil sich dann die zentralen Fragen stellen, die natürlich keiner stellen will, da sie die gesellschaftspolitischen Machtfragen schlechthin sind: Geld regiert die Welt, aber wer regiert das Geld?

Y: Die Spitze kennt die Problematik unseres Geldsystems, doch sie versucht sie totzuschweigen, weil sie weiß, welche starken Veränderungen das im gesamtgesellschaftspolitischen System bedeuten würde. Die Elite steuert auf den Crash zu, weil sie die Diskussion um Alternativen nicht zulässt. Die öffentliche Kritik ist längst ausgeblendet. Jeder, der das System hinterfragt, wird als Querdenker, als irriger Mensch hingestellt.

Welche Verantwortung sehen Sie für die Politik?

PREGETTER: Im Großen und Ganzen glaube ich nicht, dass die Politiker das Geldsystem überhaupt verstanden haben. Sie führen eine Geldideologie aus, die zum Glaubenssatz wurde und danach wird die Wirtschaft gemacht. Dieses ideologische Ausführen sieht man auch im Verhalten der Personen, die im Finanzsystem handeln: Eine Kennzeichnung mit Triple A und zwölf Prozent Zinsen reichte aus, um zu kaufen. Hinterfragen war überhaupt nicht mehr gängiges Verhalten.

Viel Kritik - und die Lösung?

HÖRMANN: Wir brauchen einen Multiparadigmenwechsel: Ein anderes Bildungssystem, ein anderes Gesellschaftssystem und ein dafür geeignetes neues Geldsystem. Wir müssen aufhören, in den bisher konstruierten rechtlichen Einheiten zu denken. Wir leben nach Dogmen, die uns den Blick auf die Möglichkeiten verstellen, die wir sonst noch haben, und sind zu sehr darauf konditioniert, rollenkonform zu agieren. Wenn sich die Menschen in Religion, Nationalität, Geschlecht oder Berufsstand kategorisieren lassen, können sie gegeneinander ausgespielt werden und jemand kann diesen Konflikt initiieren und vor allem steuern. Würden die Menschen verstehen, dass sie sich als Individuen jederzeit neu frei konfigurieren können, dann hätten sie eine unglaubliche Flexibilität.

PREGETTER: Doch der Wandel von einer hierarchischen Gesellschaft hin zu einer Netzgesellschaft ohne Macht und ohne Hierarchien ist etwas, das sich niemand vorstellen kann, weil das Andere immer das gängige Modell war.

Wann genau beginnt der Zusammenbruch?

PREGETTER: Der soziale Crash ist bereits da. In Deutschland gibt es trotz Sozialagenda 22 Prozent Niedriglohnbezieher. Was ist seither passiert? Die Armut ist gestiegen. In den USA gibt es 44 Millionen Lebensmittelkartenbezieher. Die Änderung des Systems kommt ohnehin automatisch. Die Frage ist nur, wie lange die Institutionen und die Regierung noch versuchen, das System ganz bewusst an die Wand zu fahren.

Wie viel Geld ist derzeit noch da?

HÖRMANN: So viel Sie wollen. Sie müssen es nur drucken oder als Zahl aufschreiben und einbuchen.

PREGETTER: Ein großer Irrglaube ist, dass Geld knapp sei. Es ist nur für die 80 Prozent knapp, die in der Zinsschuld stehen. Für sie wird es künstlich knapp gehalten. Zins ist nur ein subtiles Umverteilungsinstrument.



Die beiden Autoren formulieren provokante Thesen, die natürlich heftigen Widerspruch hervorrufen. Die Erwiderungen von Professor Schneider von der JKU finden Sie auf http://wirtschaftsblatt.at/ "Das stimmt nicht." Das komplette Interview und mehr zum Thema im neuen Wochenend - Dossier auf wirtschaftsblatt.at



BUCHTIPP: Das Ende des Geldes. Franz Hörmann, Otmar Pregetter, Galila Verlag, 21,90€

ZUR PERSON: Otmar Pregetter ist Wirtschaftswissenschafter in Wien, Unternehmensberater und Lehrbeauftrager an mehreren Universitäten und Fachhochschulen. Franz Hörmann ist seit 1998 a. o. Univ. - Professor am Institut für Revisions- ,Treuhand- und Rechnungswesen der Wirtschaftsuniversität Wien.

 

Lesen Sie hierzu auch: Das Geldsystem - aufgelöst! aus der Rubrik Wissen.

 

Das Ende des Geldes: "Die Zeit der Banken und des Geldes ist vorbei", schreiben Franz Hörmann und Otmar Pregetter. Denn Banken erfinden Geld aus Luft. Sie zeigen realistische Möglichkeiten auf, wie eine Gesellschaft auch ohne Geld funktionieren kann. Sehr empfehlenswert.  » Amazon

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