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Und wenn unter dem Hütchen keine Kugel ist?

(05.03.2011) Franz Hörmann ist Professor am Institut für Unternehmensrechnung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Im November 2010 prophezeite er den Untergang des herrschenden Geldsystems für 2011 oder 2012. Im März erscheint sein Buch "Das Ende des Geldes". Wochenzeitung Zürich.

Wochenzeitung (Albert Kuhn): Herr Hörmann - wie wird man Wirtschafts-Wissenschaftler?

Franz Hörmann: Ich habe mich aus sozialen Gründen dafür entschieden. Ich schaute, was meine Freunde studieren. Aha, Wirtschaft? Okay, da geh ich auch hin.

Vielleicht nicht die schlechteste Motivation...

Anfänglich befasste ich mich mit betriebswirtschaftlicher Lehre in Österreich. Ich war ein junger, energiegeladener Anhänger der freien Marktwirtschaft, noch dazu ein quantitativer. Mit den ersten Computern berechneten wir mathematisch rechtliche Konstruktionen, mit denen man einiges an Steuern sparen konnte. Die gesamte BWL-Literatur stammte aus Deutschland - und wir mussten alles an unsere österreichische Rechtslage anpassen. Wir haben geglaubt, wir erfinden die ganze Welt neu.

Die ganze Welt ein Steuerparadies?

Ziemlich früh in meiner sogenannten Karriere, als ich noch Studienassistent war, sagt ein Professor zu mir folgendes - er schaute mich an und sagte: "Herr Hörmann, wissen Sie, in einem rationalen Steuersystem wäre unsere ganze Wissenschaft eigentlich überflüssig." Ich war 23, und das hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe.

In Folge haben sich zum Kritiker Ihrer eigenen Zunft gewandelt. In ihrem Aufsehen erregenden Interview mit dem österreichischen "Standard" nutzen sie im November 2010 den Ausdruck "monetäre Steuerung von Menschen und Gesellschaften". Was meinen Sie damit?

Es gilt als anerkannte Theorie, dass Geld einen Anreiz darstellt - und angeblich funktioniere auch die Wirtschaft so. Es sei der Markt, der immer dafür sorge, dass jegliche Knappheit durch Geld behoben wird. Tatsächlich sieht aber die Steuerung ganz anders aus. Ich habe kürzlich in der "Financial Times" folgendes gelesen: "Deutschland braucht Krankenschwestern, Techniker und Lehrer." Aber ich erlebe es nicht, dass qualifizierte Leute, die offenbar so dringend fehlen, 6000, 7000 oder 8000 Euro im Monat bezahlt bekommen.

Warum funktioniert der Markt gerade da nicht?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eine Knappheit an Hafen - trotzdem verdienen Sie Unsummen. Es stimmt, dass Geld ein Anreizsystem ist, dieses Geld wird aber von einer bestimmten Kaste selbst erzeugt - aus Luft. Die Leute missbrauchen die Geldpresse einfach für sich selbst. Und Juristen bauen ihnen windige Modelle, damit sie straffrei damit durchkommen. Dafür dürfen sie daran mitnaschen.

Im Laufe der Achtzigerjahre wurde offensichtlich, dass Geld zwingend Geld anzieht, dass ich immer grössere Kapitalien bilden und dass dies letztlich auf ein brutales Machtmonopol hinausläuft.

Das ist so, weil Geld mit Geld belohnt wird. Wir belohnen nämlich nicht Leistungen in unserem System, wir belohnen Eigentum. Die Ökonomen Gunnar Heinsohn und Otto Steiger haben nachgewiesen, dass unser Geld heute - weltweit - eben nicht von Werten gedeckt ist, sondern dass immer dann, wenn Geld erzeugt wird, gleichzeitig eine Schuld erzeugt wird. Das Problem entsteht aus der Tatsache, dass die Schuld auch noch verzinst wird. Das Geld für die Zinsen wird im System eben nicht erzeugt. Das Geld für die Zinsen gibt es überhaupt nicht.

Sie prophezeien nun den Kollaps des herrschenden Geldsystems für 2011 oder 2012. Wie haben Sie das ausgerechnet?

Das haben im Internet schon viele andere erledigt. Das "Global Europe Anticipation Bulletin" zum Beispiel analysiert: Die USA und ihre Verbündeten haben seit 2008 nur an Symptomen herumgedoktert und Risse übertüncht. In einer Krise beschleunigen sich aber die geschichtlichen Abläufe. 2011 werden nach und nach die Fundamente wegbrechen, auf denen die Dollarmauer beruht. Die globale Vernetzung sorgt dann per Dominoeffekt dafür, dass der Dollar den Euro oder der Euro den Dollar in den Abgrund reißt.

Im März veröffentlichen Sie mit Otmar Pregetter das Buch "Das Ende des Geldes - Wegweiser in die ökosoziale Gesellschaft". Was wird dort zu lesen sein?

Darin erklären wir den Menschen, warum Bilanzen ein Betrug sind, warum die Geschäftsbanken ein Betrug sind, warum Kapitalgesellschaften verboten gehören und warum der Finanzmarkt ein Pyramidenspiel ist.

Die Finanzwelt wird entzückt sein.

Ich lasse mich gern durch eine Bank widerlegen, wenn sie in der Lage ist, die tatsächlichen Geldflüsse nachzuweisen. Follow the money - es geht nur um die Zahlungsströme. Der wirkliche Betrug geht nämlich über die Identität des Geldes. Und die gibt es nicht.

Das Geld hat keine Identität?

Wer in der doppelten Buchhaltung bucht, schreibt den Wert des Geldes rein, aber nie die Seriennummern der Geldscheine. Sie müssen sich zwar als Person identifizieren - sie bekommen ein Passwort oder eine ID. Auch bei den Patenten wird genau identifiziert - nur nicht beim Geld. Das Geld ist einmal da und einmal weg. Einmal ist es doppelt, einmal kommt es aus einer Bewertung, aus einem Rechenmodell, einmal aus einem Firmenwert. Das Geld entsteht immer dort, wo es eben jemand haben will, und der Auftraggeber bezahlt die Juristen dafür, dass wir ihm das glauben.

Dasselbe Geld kann mal da und mal dort eingesetzt werden? Das System simuliert, dass wesentlich mehr Geld da sei, als wirklich da ist?

Die doppelte Buchhaltung ist ein mittelalterliches Hütchenspiel. Die Hütchen sind die Konten. Und das echte Geld ist die Kugel, die irgendwo darunter liegt.

Oder vielleicht nicht?

Es wird nun wirklich spannend: Was, wenn Sie alle Hütchen hochheben - und da ist gar keine Kugel mehr da? Geldscheine haben Seriennummern, damit hat man früher Bankräuber überführt. Wenn wir in einem elektronischen Vollgeldsystem die "Items" und "Tokens" diesen Seriennummern zuordnen würden, zu jeder Transaktionen und zu jeder natürlichen Person - und nicht zu irgendwelchen wüsten Konstrukten, wo keiner mehr weiß, wer der Eigentümer ist - dann wären alle diese Verbrechen, die wir in unserem System haben, denkunmöglich. Und das ist der einzige Grund, warum wir dieses System - das besser wäre - nicht haben.

Das hieße aber: Die Topebene des Systems ist kriminell.

James Galbraith, der Sohn des US Ökonomen John Kenneth Galbraith, hat in einem Interview wörtlich gesagt: "Die USA hat ein Problem der kriminellen Eliten." Diese ganze Finanzkrise ist nicht ein Naturereignis, es ist das Ergebnis von Massenbetrug. Der Trick ist der: Um große Unternehmen zu kaufen - egal wie viel sie kosten mögen - brauchen sie überhaupt kein Geld. Sie brauchen nur den Nachweis, dass sie Geld haben würden, wenn sie es bräuchten. Und diesen Nachweis liefern ihnen die Banken.

Dann könnte also irgendwer mit einem identischen Zettel daherkommen und dasselbe...

Frechheit siegt. Frechheit, schneller Zugriff und die Kreativität bei den legalen juristischen Konstruktionen ist alles, was sie dazu brauchen. Wenn Sie sich irgendein ein neues Finanzinstrument einfallen lassen, das nach außen zumindest für eine kurze Zeit lang profitabel und sinnvoll ausschaut - egal, was für ein Fiasko hinterher passiert, wenn alle schon Ihren Gewinn im Körbchen haben - dann können sie auf diesem Planeten machen, was sie wollen. Was sie wollen!

Karte blanche global? Wie soll das gehen?

Weil Sie jeden Politiker, jeden Banker und jeden Konzernchef damit sofort kaufen können. Weil diese Leute alle angefüttert sind und käuflich. Und deswegen sind sie so schrecklich uninteressant.

Die Abläufe sind offensichtlich eingespielt. Was tun?

Das System einfach ins Leere laufen lassen und die Bevölkerung informieren. Dass tu ich ja nicht alleine, ich bin vernetzt, sie sind vernetzt, die Welt ist es zunehmend. Unser Zugang ist: Gewalt darf keine Lösung sein. Auch in unserem Buch wird plädiert: wir suchen keine Sündenböcke. Da es eben ein Massenbetrugsphänomen ist, ist die Justiz schon im Ansatz überfordert. All die Täter und Nichttäter zu erfassen und all die Prozesse anzustrengen - unmöglich! Innerhalb des legalen Systems haben wir keine Möglichkeiten. Außer: Wir ändern die Spielregeln. Wir müssen die Elite ja nicht bestrafen, müssen sie weder kennen noch bekannt machen. Wir nehmen ihnen einfach das Spielzeug weg.

Das Geld?

Das Geld. Eine Vielzahl von internetbasierten elektronischen Vergütungsmodellen wird das bestehende Geldsystem ausrangieren. "Geld" wird kein Tauschmittel mehr sein, sondern unmittelbar in Form von Belohnungspunkten für gemeinschaftsnützliches Verhalten geschöpft werden. Dies ist zugleich die einzige Chance, dass die heutige Elite ungeschoren davonkommen. In jedem anderen Fall wird es für sie böse enden. Und sie wissen das.

Parallel dazu existiert noch eine andere Angst: Die vor dem Chaos, vor dem sich auch jene fürchten, die eigentlich an etwas anderes glauben möchten als an Geld.

Uns kann man nicht kaufen. Was wir hier skizzieren, ist nichts anderes als ein gesellschaftliches Vermittlungsangebot. Zur Güte.



Website von Franz Hörmann



Buchvorstellung:

Dienstag, 8. März, 10:30 - 13:00
Thalia Buchhandlung
Mariahilferstraße 99, Wien

Das Ende des Geldes: Wegweiser in eine ökosoziale Gesellschaft

„Die Zeit der Banken und des Geldes ist vorbei“, schreiben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann und Otmar Pregetter. Denn Banken erfinden Geld aus Luft, die freien Märkte sind Blasenmaschinenzum Missbrauch für die Eliten, unser gegenwärtiges Finanzsystem ist ein reines Betrugsmodell. Die Folge: Der ultimative Finanzcrash droht; damit verbunden, das Ende des Geldes. Doch die beiden Autoren verbreiten in diesem Buch keineswegs Hiobsbotschaften, wenn sie „grundlegende Veränderungen der Gesellschaft“ fordern. Sie zeigen realistische Möglichkeiten auf, wie eine Gesellschaft auch ohne Geld funktionieren kann, und sie bieten einen Wegweiser in eine ökologisch und sozial orientierte Zukunft.

 

Lesen Sie hierzu auch: Banken erfinden Geld aus Luft aus der Rubrik Wissen.

 

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